Wohlige Wärme aus der Sonne

Auf dem Schadeberg soll ein ­Solarthermie-Kraftwerk entstehen. Die umweltschonende Methode soll die Wärmeerzeugung der Stadtwerke grüner machen.

Das neue Thüringer Klimagesetz vom Dezember 2018 fordert bis zum Jahr 2040 eine nahezu klimaneutrale Wärmeversorgung. Daher haben die Stadtwerke im vergangenen Jahr eine Studie beauftragt. Entsprechend wurden durch die Stadtwerke mögliche Technologien wie Abwärmenutzung – inklusive industrieller Abwärme –, Solarthermie, Geothermie oder Biomasse geprüft. Zudem wurden in Zusammenarbeit mit der Stadt Mühlhausen alternative Standorte für ein solches Projekt begutachtet.

Solarthermie hat die besten Prognosen

Die Standortwahl fiel auf eine 60.000 Quadratmeter große Fläche auf dem Schadeberg. Bei der Technologie machte die Solarthermie das Rennen. Derzeit ist dies die effektivste und flächenschonendste Möglichkeit einer CO2-neutralen Wärmeerzeugung in der Region. Der jährliche Energieertrag pro Fläche durch Solarthermie ist verglichen mit anderen Technologien, wie zum Beispiel Photovoltaik (PV) oder Biomasse, am höchsten. Wärme aus Sonnenenergie kann einen Teil des Warmwasserbedarfs decken und zur Unterstützung des Heizungssystems beitragen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, solarthermische Anlagen in bestehende oder neue Wärmenetze in Kombination mit anderen Wärmeerzeugern einzubinden.

Mehr erneuerbare Energien

Da insbesondere die Nähe zur vorhandenen Infrastruktur ein entscheidender Faktor für die Effektivität der Solarthermie ist, wurden bei der Prüfung von Standortalternativen nur Flächen in der direkten Umgebung der Fernwärmenetze Mühlhausens berücksichtigt. Durch das Planvorhaben möchte die Stadt Mühlhausen ihren Anteil an erneuerbaren Energien entsprechend der bundes- und landespolitischen Zielsetzung erhöhen und mit den Stadtwerken als regionalem Vorreiter in diesem Bereich die Lebensqualität in Mühlhausen nachhaltig steigern.

Genehmigung soll 2020 vorliegen

Die Stadtwerke werden ihr mittelfristiges Konzept zur Optimierung und Erneuerung der Wärmeversorgung der Windeberger Landstraße, der Ballongasse und der Feldstraße als letzte Maßnahme 2019 abschließen. Die Verbindungstrasse zwischen dem Fernwärmenetz Ballongasse und dem im Stadtzentrum befindlichen Netz soll auch zur Erhöhung der Auslastung des geplanten Solarthermieparks beitragen.
Das Vorhaben der Großsolarthermieanlage ist langfristig für 25 Jahre angelegt und soll in der Nähe der Erzeugeranlagen realisiert werden. Hierfür hat der Stadtrat im Mai 2019 der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Auf dem Schadeberg“ zugestimmt. Ziel ist es, das Genehmigungsverfahren spätestens im Frühjahr 2020 abzuschließen. Die Anlage selbst wird nach der Fertigstellung des rund 8.000 Quadratmeter großen Kollektorfeldes eine Energiemenge von etwa 3 bis 4 Gigawattstunden pro Jahr für das Wärmenetz bereitstellen. Dies entspricht für dieses Netz einem Anteil von rund 20 Prozent der Wärmemenge.

Photovoltaik-Anlage soll auch Pumpstrom liefern

Der benötigte Pumpstrom für die geplante Anlage soll künftig durch eine noch zu errichtende PV-Anlage bereitgestellt werden. Die fehlende „Restwärme“ in den ertragsärmeren Zeiten der Thermieanlage soll aus den bestehenden Blockheizkraftwerken geliefert werden. Für genügend Reserven soll ein Großwärmespeicher sorgen.

Weniger Schadstoffe in der Stadt

Das veraltete Heizkraftwerk am Standort Spielbergstraße wird dann stillgelegt. Die Schadstoffbelastung wird somit im Innenstadtbereich erheblich minimiert. Mehr als 4 Millionen Euro werden in das Großprojekt, das im Jahr 2018 ins Rollen kam, investiert. Die Stadt Mühlhausen wird für dieses Vorhaben Fördermittel aus dem europäischen Strukturfonds für regionale Entwicklung in Höhe von rund 3 Millionen Euro erhalten.